Ungarns erster König, Stephan I. ( István I. ), heiratete im Jahr 996 eine bayerische Prinzessin. Seit dieser Zeit ist Deutschland über alle Jahrhunderte hinweg einer der wichtigsten Handelspartner Ungarns.
Mit der europäischen Wende der Jahre 1989 / 90 begann eine bedeutende Wachstumsphase in den guten und vielfältigen Wirtschafts- und Handelsbeziehungen zwischen Ungarn und der Bundesrepublik Deutschland. Neben dem Handel spielen auch die deutschen Investitionen in die ungarische Wirtschaft eine wichtige Rolle. Sie tragen dazu bei, daß das Land internationales Niveau erreichen kann.
Die wirtschafliche Zusammenarbeit beider Länder ist durch viele Verträge geregelt worden : Bereits 1964 wurde das erste Wirtschafts- und Handelsabkommen unterzeichnet. Dem Abkommen zur Vermeidung der Doppelbesteuerung 1976 folgte 1986 die Investitionsschutz-Vereinbarung. 1989 folgte der Vertrag über die Arbeitsaufnahme anhand von Untermehmensverträgen. Nach dem Systemwechsel wurden die Beziehungen der beiden Länder grundlegend überarbeitet, 1992 wurde der Grundlagenvertrag unterzeichnet.
In den letzten zehn Jahren haben sich sowohl die ungarischen Exporte nach Deutschland als auch die Importe aus Deutschland vervierfacht. Die ungarischen Ausfuhren nach Deutschand sind im Jahr 2002 um 27 % und die Lieferungen von Deutschland nach Ungarn um 1,5 % gestiegen. 36 % der von Ungarn exportierten Waren werden auf dem deutschen Markt verkauft, 25 % der ungarischen Warenkäufe stammen aus Deutschland.
Die Größenordnung und die Lage Ungarns auf diesem Markt werden durch die Tatsache deutlich, daß aus deutscher Sicht der Anteil des Handels mit Ungarn in den vergangenen Jahren im Export und im Import bei jeweils etwa 2 % lag.
Die Struktur des Außenhandels mit Deutschland verändert sich schnell : Der Anteil der verarbeiteten Produkte wächst zunehmend, während landwirtschaftliche Produkte, Nahrungsmittel, unverarbeitete Grundstoffe und Energieträger einen immer geringeren Anzeil abdecken.
Seit der Wende verlagern viele deutsche Industrieunternehmen Teile ihrer Produktion nach Mittel- und Osteuropa. Davon profitiert auch Ungarn. 40 % der deutschen Kapitalinvestitionen in den mittel- und osteuropäischen Ländern fließen nach Ungarn, die bedeutende Beteiligung deutscher Unternehmen an der Privatisierung des ungarischen Energie- und Gassektors unterstreicht die führende Rolle im ungarischen Kapitalimport. Bis Ende 2002 floß ausländisches Kapital in Höhe von mehr als 28 Mrd. USD nach Ungarn, davon kamen etwa 8,7 Mrd. USD aus Deutschland. Das entspricht 31 % des gesamten Kapitaleingangs.
In Ungarn sind zur Zeit mehr als 7.500 Unternehmen mit deutscher Beteiligung tätig. Elf der 50 größten ungarischen Unternehmen, die mit ausländischer Investition gegründet wurden, entstanden mit dem Kapital von deutschen Großunternehmen.
Die meisten deutschen Großbanken verfügen über starke Positionen, Beteiligungen und Bankhäuser in Ungarn. Andere deutsche Investitionen führen zu Hotels, Bürohäusern, Einkaufszentren und Einrichtungen zur Förderung der kommunalen Entwicklung sowie zum Schutz der Umwelt.
Seit der Wende verlagert sich der Schwerpunkt der ungarischen Außenwirtschaftspolitik bezüglich Deutschland. Neben der weiterhin bedeutsamen Zusammenarbeit mit der Bundesregierung gewinnen die Kooperationen mit den einzelnen Bundesländern eine zunehmende Bedeutung. Mit mehreren Bundesländern wurden allgemein bzw. spezifisch wirtschaftlich ausgerichtete Gemischte Kommissionen gegründet. Die Kommissionen mit Bayern und Baden-Württemberg sind bereits seit 1993 sehr erfolgreich tätig. Im Osten Deutschlands dienen diese Kommissionen auch der Wiederbelebung der früheren, lebhaften wirtschaftlichen Beziehungen. Hier ist zum Beispiel das Ungarisch-Sächsische Forum zu nennen.
Die Bundesrepublik Deutschland wird auch weiterhin - schon wegen der Größenordnung der gegenseitigen Wirtschaftsbeziehungen - ein sehr wichtiger Markt für Ungarn sein, der beste Chancen für die weitere Entwicklung bietet.