Die Beziehungen zwischen Deutschland und Ungarn sind von intensiver und freundschaftlicher Zusammenarbeit geprägt. Ebenso wie die bilateralen Beziehungen gewann die Kooperation im multilateralen Rahmen in den letzten Jahren ständig an Intensität.
Priorität der ungarischen Außenpolitik war und ist die euro-atlantische Integration des Landes. Deutschland unterstützt wie schon in der Vergangenheit die Bemühungen Ungarns sowohl beim NATO-Beitritt als auch im noch laufenden Prozeß der EU-Erweiterung.
Die Grundlage der Beziehungen bildet der "Vertrag über freundschaftliche Zusammenarbeit und Partnerschaft zwischen Ungarn und der Bundesrepublik Deutschland" vom 6. Februar 1992.
Deutsche und ungarische Amtsträger pflegen ständig den politischen Meinungsaustausch. Beispielsweise trafen sich die Außenminister, Joschka Fischer und László Kovács, entsprechend einer zwölfjährigen Tradition im November 2002 beim alljährlichen Deutsch-Ungarischen Forum in Berlin. Dies ist der wichtigste regelmäßige Treffpunkt von Politikern und Fachleuten beider Länder.
Auch die parlamentarischen Beziehungen bilden eine wichtige und stabile Grundlage der bilateralen Kontakte. Die zahlreichen Gespräche der Fachausschüsse, der Parlamentsverwaltungen, die Arbeit der Deutsch-Ungarischen Parlamentariergruppe und nicht zuletzt das Praktikantenprogramm des Bundestages bilden ein enges Gefüge.
Auf allen politischen Ebenen bestehen vielfältige Formen der Zusammenarbeit. Regionale Kooperationen, Gemischte Kommissionen, Wirtschaftsforen, aber auch die über 200 Partnerschaften von Kommunen und Stadtbezirken bringen die Menschen einander näher. Zur Vertiefung der persönlichen Beziehungen tragen zudem die vielen Deutsch-Ungarischen Gesellschaften in Deutschland und die in Ungarn lebende deutsche Minderheit bei.
Wirtschaft und Handel sind tragende Säulen der bilateralen Kooperation. Deutschland und die deutschen Firmen sind mit die bedeutendsten Partner und Mitgestalter der boomenden Wirtschaftsentwicklung in Ungarn.
Ungarn wird in Deutschland traditionell auch als Kulturland mit großer Sympathie wahrgenommen. Aus historischen Verbindungen und geographischer Nähe resultierte schon früh eine intensive kulturelle Zusammenarbeit. Das europäisch verwurzelte geistige Kapital Ungarns, die mitteleuropäische Vielfalt und Offenheit, der viel beschworene Einfallsreichtum, die zahlreichen auch im Ausland anerkannten Künstler v.a. in der Musik und der Literatur sind beste Voraussetzungen dafür, im weltweiten kulturellen Dialog auf eine erkennbare und einzigartige Weise präsent zu sein und mitzuwirken.
Am 29. November 2002 wurde eine kleine, elitäre Universität in Budapest - gewürdigt von Bundespräsident Johannes Rau - eröffnet. Die Andrássy Gyula Universität wird von Ungarn, Bayern, Baden-Württemberg und dem Deutschen Akademischen Austauschdienst ( DAAD ) unterstützt. Diese seit dem Zweiten Weltkrieg erste deutschsprachige Universität außerhalb des deutschen Sprachraums bildet Studenten aus Ungarn, Ost-Mitteleuropa, Deutschland und Österreich in einem postgradualen System für Völker- und Europarecht, Wirtschaft und Mitteleuropakunde aus.
Das kulturelle Ereignis des Jahres 2002 war zweifellos die Verleihung des Literatur-Nobelpreises an den ungarischen Schriftsteller Imre Kertész. Nach der triumphalen Sándor-Márai-Renaissance in Deutschland und wiederkehrenden Erfolgen ungarischer Autoren wie Péter Esterházy, Péter Nádas oder György Konrád wurde damit der ungarischen Literatur eine gebührende Würdigung zuteil.
Der am 9. November 1929 in Budapest geborene Kertész hat mit Büchern wie "Roman eines Schicksallosen" (1975, deutsch 1990/95), "Kaddisch für ein nicht geborenes Kind" (1990, deutsch 1992) und "Galeerentagebuch" (1992, deutsch 1993) in einzigartiger Weise die Erfahrung eines Jahrhunderts der Lager und totalitären Systeme dargestellt. Kertész wurde 1944 nach Auschwitz deportiert und 1945 in Buchenwald befreit. Die Schwedische Akademie begründete ihre Entscheidung damit, daß der Autor in seinem Werk die "Zerbrechlichkeit des Einzelnen in einem barbarischen Geschichtsverlauf" zeige.
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letzte Änderung dieser Seite : 03.02.2003
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